„Neue Weltsichten“

ist ein Schülerwettbewerb zum Thema Medienwandel und gesellschaftlicher Wandel. Er richtet sich an Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen in Niedersachsen. Einsendeschluss ist der 22. Juni 2017. Der Wettbewerb wird gemeinsam ausgerichtet vom Niedersächsischen Landes­­institut für schulische Qualitätsentwicklung und dem YLAB-Geisteswissenschaftliches-Schülerlabor der Georg-August-Universität Göttingen.

Medienereignisse verändern die Welt

Vor 500 Jahren begann Martin Luther seine reforma­torische Lehre zu verbreiten. Dafür und auch später für die Verbreitung seiner ins Deutsche übersetzen Bibel setzte er insbesondere auf den Buchdruck. Damit nutzte er – wie seine Gegner – eine damals junge Technologie. Die Reformation war ein Medienereignis, in dem theologie- und kommunikationsgeschichtlicher Einschnitt zusammenfielen und sich gegenseitig bedingten. Der Buchdruck, besonders in Form von Flugschrift und Flug­blatt, verhalf der Reformation zum Durchbruch – und umgekehrt: Vor der Reformation befand sich die bereits entwickelte Spitzentechnologie des Buchdrucks in einer Existenzkrise – es gab nur geringen Bedarf. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts bestand ein Großteil der gesamten deutschsprachigen Buchproduktion aus reformatorischen und antireformatorischen Schriften. Durch das Medium des Buches beginnt ein massenhaftes und nicht mehr durch die Autorität der Kirche kontrolliertes Lesen und Schreiben, das in Folge alle Verhältnisse kritisch auf den Kopf stellt. Althergebrachte Strukturen brechen auf und an ihre Stelle tritt, nach langem Ringen, die moderne Gesellschaft.

Buchdruck und Reformation sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich technologischer, kultureller und gesell­schaft­licher Wandel wechselseitig bedingen. Medien prägen in allen Zeiten Gesellschaft und Individuum mit. Schreiben, Telefonieren und Tippen sind weit mehr als reine Kulturtechniken – mit jedem neuen Medium eröffnet sich eine neue Erlebniswelt, die auch die Wahrnehmung verändert. Die Schrift ermöglicht Kommunikation über Grenzen und Zeiten hinweg, Fernrohr und Mikroskop stellen die Frage nach Größe und Stellenwert des Menschen neu, und durch Medien wie Radio, Fernsehen und Internet wird die Welt zum „globalen Dorf“.

Und Heute?

Die Digitalisierung schreitet immer schneller voran und bringt neue Möglichkeiten und Erfahrungsspielräume mit sich: Online-Plattformen ermöglichen politisches Hand­eln per Mausklick, Erlebnisse werden nach Like-Potenzial ausgewählt und Social Bots täuschen per­sön­liche Meinung vor und können politische Veränderungen bedingen. Derartige technologische Entwicklungen sind schon jetzt prägend für unsere Gesellschaft und werden in Zukunft einen noch größeren Stellenwert einnehmen.

Der Wettbewerb

Der Schülerwettbewerb „Neue Weltsichten“ widmet sich diesem Thema und fordert Schülerinnen und Schüler auf, sich kreativ und kritisch mit Medienereignissen, tech­nologischen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuum in Geschichte und Gegen­wart zu beschäftigen:

  • Was tragen Medien zum gesellschaftlichen Wandel bei: früher – heute – morgen?
  • Welche Folgen hat Medienwandel für das Individuum und die Gesellschaft: früher – heute – morgen?

Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für einen Aspekt dieses Themenbereichs und bearbeiten diesen selbstständig. Dabei sind sie sowohl bei der Perspektiv­setzung (z. B. historisch, technologisch, gesellschaftlich) als auch bei der Wahl des Produkts, das sie gestalten und einreichen, völlig frei.